Vaginalmykose

Ratgeber / Gesundheit

Vaginalmykose: Unangenehm, aber meist harmlos

24.05.2022 / von 

Bei drei von vier Frauen tritt ein Vaginalpilz mindestens einmal im Leben auf. Die sogenannte Vaginalmykose zählt zu den häufigsten Infektionen der weiblichen Geschlechtsorgane.

Wie Bakterien, Viren und andere Mikroorganismen tummeln sich auch zahlreiche Arten von Pilzsporen in unserem Organismus. Candida-Pilze kommen bei vielen Menschen in der normalen Flora der Haut und Schleimhaut in geringer Zahl vor, ohne Probleme zu bereiten. Unter bestimmten Voraussetzungen können sich diese Hefepilze aber massiv vermehren und so zu einer Pilzinfektion führen.

Sauer gegen Vaginalpilz

Der pH-Wert der Vaginalflora ist leicht sauer und liegt zwischen 3,8 und 4,4. Grund dafür sind die Milchsäurebakterien, sie besiedeln von Natur aus die entsprechenden Schleimhäute. Wird der pHWert weniger sauer, begünstigt das die Ausbreitung eines Pilzes. Der Verursacher einer Vaginalmykose ist der Hefepilz Candida albicans. Er vermehrt sich, wenn das Milieu gestört ist, und kann dann zu einer lästigen Infektion führen. Gründe für eine Änderung des Milieus sind vor allem geschwächte Abwehrkräfte und Stress, aber auch eine falsche, meist übertriebene Intimhygiene – und: Es handelt sich nicht um eine sexuell übertragbare Krankheit. Die Einnahme von Antibiotika oder Kortisonpräparaten sowie starke Hormonschwankungen können die Vaginalflora ebenfalls aus dem Gleichgewicht welbringen. Pilze mögen es generell warm und feucht, wenn frau häufig schwitzt und luftundurchlässige Unterwäsche trägt, fühlt sich der Erreger wohl und breitet sich leichter aus.

Ausfluss und Brennen

Zu Beginn einer Pilzinfektion sind die Symptome meist unspezifisch. Schreitet sie fort, leiden Betroffene unter einem weiss-gelblichen, bröckeligen und weitgehend geruchsneutralen Ausfluss und starkem Juckreiz in der Vagina. Beim Geschlechtsverkehr oder beim Einführen eines Tampons kann es zudem zu einem schmerzenden Brennen kommen. Charakteristisch für eine Vaginalmykose sind weisse Beläge auf der Schleimhaut und eine rötliche Schwellung. Manchmal bilden sich kleine Knötchen oder Bläschen auf der Schleimhaut, die beim Aufplatzen ein streng riechendes Sekret freigeben. Es gibt allerdings auch Frauen, die keine Symptome verspüren: Bei ihnen wird eine Infektion oft erst bei der Routineuntersuchung entdeckt.

Wann ärztlich abklären?

Die erste Pilzinfektion muss von einer Gynäkologin oder einem Gynäkologen als solche diagnostiziert werden. Meist kennen Betroffene nach der Erstinfektion die typischen Symptome und können durch die Begleitung der Fachpersonen aus der Apotheke die Therapie selber in Angriff nehmen. Wer allerdings mehr als viermal jährlich von einer Vaginalmykose betroffen ist, sollte diese wiederkehrenden Infektionen ärztlich abklären. Auch Schwangere, Frauen unter 18 Jahren, Zuckerkranke oder Personen mit einem geschwächten Immunsystem sollten bei einer Pilzinfektion die Beschwerden von einer Frauenärztin oder einem Frauenarzt abklären lassen.

Erfolgreiche Therapie und Vorsorge

Zur Behandlung empfehlen die Fachpersonen in der Apotheke ein lokales Pilzmittel (Antimykotikum) in Form von Vaginaltabletten und einer Creme. Bei einer herkömmlichen Therapie führt man die Vaginaltablette während drei Tagen abends vor dem Schlafengehen tief in die Vagina ein. Die Creme kommt bis zu dreimal täglich für ein bis zwei Wochen zum Einsatz und wird äusserlich aufgetragen. Für Frauen, die zu Trockenheit neigen, ist die Vaginalcreme mit Applikator besser geeignet, da sich die Tablette bei trockenen Schleimhäuten nicht gut auflösen kann. An deren Stelle wird an drei aufeinanderfolgenden Abenden eine Applikatorfüllung Creme tief in die Vagina eingeführt. Während einer Infektion empfiehlt es sich, Unterwäsche und Handtücher bei mindestens 60 Grad zu waschen, damit Pilzsporen erfolgreich abgetötet werden. Apothekerinnen und Apotheker dürfen sofern nötig und nach einem kostenpflichtigen Beratungsgespräch auch Produkte mit anderen Wirkstoffen gegen Vaginalpilz abgeben. Um einer erneuten Pilzinfektion vorzubeugen, ist es ratsam, ein besonderes Augenmerk auf die Art der Intimpflege zu legen: Geeignet zum Waschen ist Wasser oder eine auf die Vaginalflora abgestimmte Pflege. Stark parfümierte Produkte sind zu vermeiden.
Damit keine Keime oder Pilze aus dem Darm in die Vagina gelangen, wischt Frau nach dem Stuhlgang von vorne nach hinten. Ebenso bewährt hat sich atmungsaktive Unterwäsche aus Baumwolle: So kann Feuchtigkeit – etwa vom Schwitzen im Sommer oder beim Sport – besser entweichen. Um das saure Milieu von innen zu stärken, können Nahrungsergänzungsmittel mit Milchsäurebakterien eingesetzt werden, auch die Alternativmedizin hält unterstützende Massnahmen bereit. Die Fachpersonen in der Apotheke beraten Betroffene gern individuell und diskret zu geeigneten Therapien und Vorsorgemassnahmen.

Diana Schäffer
Die Intimpflege soll immer der natürlichen Vaginalflora angepasst sein.

Diana Schäffer

Eidg. dipl. Apothekerin und Co-Betriebsleiterin in Interlaken

Welche Pflegetipps für den Intimbereich geben Sie Frauen mit auf den Weg?

Die Intimpflege soll immer der natürlichen Vaginalflora angepasst sein. Das heisst, sie hat einen sauren pH-Wert und ist angereichert mit Milchsäurebakterien, die auch im natürlichen Umfeld der Vagina vorkommen. Eine übertriebene Hygiene oder stark parfümierte Produkte reizen die Schleimhaut unnötig und haben einen negativen Effekt auf die vaginale Gesundheit. Das Waschen mit Wasser reicht völlig aus. Grundsätzlich spielt es keine Rolle, in welchem Lebenszyklus sich eine Frau befindet, wichtiger ist, dass man die individuellen Bedürfnisse beachtet.

Ist bei einer Pilzinfektion eine Partnertherapie notwendig?

Neueste Erkenntnisse zeigen, dass eine Partnertherapie meist nicht notwendig ist. Der männliche Organismus ist weniger anfällig auf Hefepilze, meistens sind Partner daher nicht betroffen. Leidet eine Frau jedoch regelmässig an einer Vaginalmykose, kann eine Partnertherapie durchaus Sinn ergeben, auch um herauszufinden, ob Erreger vom Mann auf die Frau übertragen werden.

Welche Verbindung besteht zwischen Diabetes und Vaginalmykose?

Zucker gilt als Nahrungsquelle für Hefepilze, deshalb ist bei einem erhöhten Zuckergehalt im Körper eine schnellere Pilzvermehrung möglich. Wiederkehrende Pilzinfektionen können somit ein Hinweis auf einen beginnenden oder schlecht eingestellten Diabetes sein. In diesem Fall empfiehlt es sich, den Blutzuckerspiegel zu messen. Es kann auch ohne Diabetes hilfreich sein, sich zuckerärmer zu ernähren, um den Pilz schneller loszuwerden.