Heuschnupfen

Ratgeber / Gesundheit

Haben Sie den Heuschnupfen im Griff?

24.03.2021 / von 

Er ist der Spitzenreiter unter den Allergien: Rund 1,2 Millionen Menschen in der Schweiz leiden an Heuschnupfen. Die gute Nachricht: Verschiedene Behandlungsmöglichkeiten bringen Linderung.

Die Symptome bei Heuschnupfen sind ähnlich wie bei einer Erkältung: Häufiges Niesen, eine verstopfte Nase, Schnupfen und tränende Augen treten bei den meisten Betroffenen auf. Ferner kann ein lästiger Juckreiz in den Augen und im Hals dazukommen. In schweren Fällen entwickeln sich eine asthmatische Erkrankung, Ekzeme oder ein eingeschränkter Geruchs- und Geschmackssinn. In mehr als 90 Prozent aller Fälle sind nur sechs Pflanzen für die überschiessende Immunreaktion des Körpers verantwortlich, darunter die Blüten von Haselsträuchern, Birken, Erlen, der Esche, Pollen des Beifusses sowie Gräser. Diese Pflanzen blühen saisonal beschränkt und führen in dieser Zeit zu den bekannten Beschwerden. Im Lauf der Jahre können sich aus dem Heuschnupfen zusätzliche Allergien entwickeln, zum Beispiel auf Nüsse, Stein- oder Kernobst. Es ist sehr wichtig, diese Beschwerden abklären zu lassen, da hier die Gefahr besteht, dass sich die Problematik auf die unteren Atemwege verschiebt und ein allergisches Asthma entwickelt.

Ursache und Diagnose

Um eine allergische Erkrankung zu bestimmen, nimmt der Arzt oder die Ärztin die Symptomatik mithilfe eines Fragebogens auf. Es ist entscheidend, zu welchem Zeitpunkt welche Beschwerden auftauchen, weil so die Auslöser der Allergie eingegrenzt werden können. Durch eine Untersuchung beim Hausarzt können andere mögliche Ursachen der Symptome – zum Beispiel eine verbogene Nasenscheidewand oder Nasenpolypen – ausgeschlossen werden.

Der Hauttest ist das am häufigsten angewandte Instrument für eine Diagnose von Allergien. Ein Tropfen der Substanz, welche die Allergie mutmasslich auslöst, wird auf die Haut aufgetragen und mit einer Nadel in die Haut gestochen. Anhand der Reaktion auf der Hautoberfläche kann so herausgefunden werden, was die Beschwerden hervorruft. Dieser sogenannte Prick-Test kann in kürzester Zeit die Reaktionen des Körpers auf bis zu 20 Substanzen liefern. Ein empfindlicheres Instrument ist der Intrakutantest. Hierbei wird eine kleine Menge des Allergens mithilfe einer feinen Kanüle in die mittlere Hautschicht eingespritzt. Dieser Test reagiert viel empfindlicher und kommt dann zum Zug, wenn der Prick-Test keine klaren Resultate hervorbringt. Weitere Möglichkeiten, um Allergien zu bestimmen, sind der Nachweis von Antikörpern im Blut sowie der nasale Provokationstest, bei dem die Substanz direkt auf die Nasenschleimhaut aufgetragen wird.

Vielfältige Therapien

Die effektivste Massnahme bei Allergien – auch bei Heuschnupfen – ist die Vermeidung des Auslösers. Bei Pollen ist dies jedoch nur bedingt möglich, denn je nach Jahreszeit und Höhenlage gibt es für die Betroffenen nur schwer ein Entkommen und jeder Spaziergang kann zur Tortur werden. Im ersten Schritt können eine sanfte Reinigung des Augenbereichs inklusive Wimpern, das Waschen der Haare oder eine Nasenspülung helfen. Sollte das wenig Linderung bringen, ist die Anwendung von antiallergischen und pflanzlichen Nasensprays und Augentropfen sowie Präparaten zur Einnahme zu empfehlen. Leidet man zum Beispiel nur unter einer verstopften Nase, sind antihistaminhaltige Nasensprays eine Möglichkeit zur Behandlung. Helfen diese nicht, können Nasensprays mit Kortison angewendet werden. Diese wirken gezielt, schnell und haben wenig Nebenwirkungen, weil der Wirkstoff kaum vom Blutkreislauf aufgenommen wird. Entsprechende Nasensprays können Fachpersonen in der Apotheke nach eingehender Beratung auch ohne ärztliches Rezept abgeben, müssen die Abgabe aber dokumentieren.

Heuschnupfen bringt zahlreiche, mühsame Symptome mit sich, die sich mit den heutigen Behandlungsmöglichkeiten gut angehen lassen. Welches für Sie die richtige Massnahme ist, finden Sie am besten bei einer Beratung in Ihrer Apotheke heraus.

WANN IST WAS IN DER LUFT?

Birke
Die Birke blüht von März bis Mai und verfügt über eine sehr grosse Pollenproduktion, die jedoch von Jahr zu Jahr schwankt. Rund 8 Prozent der Bevölkerung reagieren auf Birkenpollen allergisch.

Hasel
Die Pollen der Hasel befinden sich von Januar bis April in der Luft. Achtung: Die Symptome lassen sich aufgrund der Jahreszeit leicht mit einer Erkältung verwechseln.

Erle
Auch die Erle kann starke allergische Reaktionen auslösen. Wie die Hasel verteilt sie ihre Pollen ebenfalls von Januar bis April.

Esche
Von März bis Mai sind die Pollen der Esche unterwegs. Kreuzreaktion mit dem Ölbaum, der im Mittelmeergebiet beheimatet ist, sind möglich.

Gräser und Heu
Rund 20 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz sind auf Gräser allergisch. Typisch für sie sind eine lange Blütezeit, eine starke Verbreitung und grosse Pollenmengen. Gräser blühen von Ende April bis Ende August.

Beifuss
Der Beifuss ist das bedeutendste Kräuter-Allergen. Die Konzentration der Pollen ist im Wallis, im Tessin und teilweise in der West- und der Nordwestschweiz am höchsten. Blütezeit: Juli bis September.

Claudia Horsch
Eine umfassende Beratung ist bei Heuschnupfen das A und O.

Claudia Horsch

Eidg. dipl. Apothekerin und Betriebsleiterin in Stäfa

Heuschnupfen geht oft mit grossen Einschränkungen einher. Woran leiden Betroffene am meisten?

Sie leiden häufig an einer juckenden, ständig fliessenden Nase, Niesattacken sowie an geröteten und geschwollenen Augen. Heuschnupfen kann auch zu Konzentrationsstörungen, Leistungsabfall und Schlafstörungen führen.

Welchen Nutzen bieten Antihistamin-Tabletten gegen Allergien?

Antihistaminika heben die Wirkung des körpereigenen Histamins auf. Dadurch wirken sie bei Heuschnupfen antiallergisch, antientzündlich und juckreizstillend. Histamin ist verantwortlich für den Juckreiz, das Niesen und die laufende Nase. Bei leichten Symptomen – wenn beispielsweise nur Augen oder Nase betroffen sind – ist eine lokale Therapie vorzuziehen.

Als Apothekerin können Sie bei der Beratung gezielt auf die Bedürfnisse von Allergikern eingehen und die passenden Medikamente sowie Tipps abgeben.

Das stimmt, eine umfassende Beratung ist gerade bei Heuschnupfen das A und O. Vielen Betroffenen helfen antihistaminhaltige Augentropfen oder kortisonhaltige Nasensprays, um die typischen Symptome zu linden. Kortisonhaltige Produkte hemmen die Entzündung, antihistaminhaltige hemmen die Histaminwirkung und verhindern so die lästigen Symptome wie Tränenfluss, Juck- und Niesreiz. Für eine zuverlässige Wirkung ist eine konsequente und regelmässige Anwendung wichtig.