Erektionsstörungen

Ratgeber / Gesundheit

Erektionsstörungen: Wenn Mann nicht kann

23.09.2021 / von 

Erektionsprobleme können viele Ursachen haben. Je nach Alter, Häufigkeit und gesundheitlicher Konstitution stehen unterschiedliche Ursachen und Therapien im Vordergrund.

Wenn es im Bett nicht (mehr) funktioniert wie gewohnt, ist das eine belastende Situation. Da verwundert es nicht, dass für viele Männer das Thema Impotenz mit Scham behaftet ist. In der Fachsprache spricht man von erektiler Dysfunktion (ED), wenn der Penis über einen längeren Zeitraum hinweg nicht mehr ausreichend erigiert, um einen für beide Partner zufriedenstellenden Sexualakt zu vollziehen. Von einmaligen bis zu gelegentlichen Erektionsstörungen sind in der Schweiz rund die Hälfte der Männer zwischen 40 und 70 Jahren betroffen. Was von Zeit zu Zeit durchaus vorkommen kann, wird erst bei anhaltender Dauer zu einer Sexualstörung. Erst wenn über 75 Prozent der Beischlafversuche nicht mehr klappen, spricht man medizinisch gesehen von einer schweren ED.

Potenzprobleme: Psychische oder körperliche Ursachen?

Eine ED ist in vielen Fällen organisch verursacht. Aber auch fehlendes Selbstvertrauen, seelischer Stress oder Probleme in der Partnerschaft können eine Rolle spielen. Ein weiterer entscheidender Faktor ist das Alter, denn der Testosteronspiegel sinkt mit zunehmenden Lebensjahren.

Eine ED kann aber auch ein erstes Anzeichen für eine Erkrankung der Gefässe sein und mit einer Fehlfunktion der Schilddrüse oder mit bestimmten Medikamenten wie Psychopharmaka oder Betablockern zusammenhängen. Treten die Beschwerden bei jüngeren Männern auf, sollten sie in jedem Fall von einem Urologen oder einer Urologin abgeklärt werden. Bei älteren Männern kann eine erste Abklärung beim Hausarzt oder eine Beratung in der Apotheke erfolgen.

Abklärung und Diagnose der Erektionsstörungen

Zuerst führt der Arzt ein Gespräch mit dem Patienten über die Art der Beschwerden und mögliche Einflüsse. Entscheidend sind Fragen nach dem Symptombeginn (sofort oder schleichend) und der Ausprägung der Problematik, etwa ob es noch zu morgendlichen Erektionen kommt, die allgemein ein Indikator für eine funktionierende Potenz sind. Ebenso werden weitere Aspekte wie Medikamenteneinnahme, Alkoholkonsum oder Rauchen und deren möglicher Einfluss besprochen. Auch der Kontext der Störung – zum Beispiel Probleme in der Partnerschaft – werden in den medizinischen Abklärungen berücksichtigt. Tritt die Potenzstörung in bestimmten Situationen auf, steht vermutlich eine psychische Ursache im Vordergrund.

Therapei bei Potenzproblemen

Hängt die ED mit einem niedrigen Testosteronspiegel zusammen, erfolgt eine Hormonbehandlung. Weit häufiger kommen jedoch sogenannte Phosphodiesterasehemmer (PDE-5-Hemmer) zum Einsatz. Sie erweitern die Blutgefässe und sorgen damit auch für eine bessere Durchblutung der Schwellkörper im Penis. Und: Sie wirken nur, wenn ein sexueller Reiz im Gehirn ausgelöst wird, der über entsprechende Nervenimpulse bis zum Geschlechtsorgan weitergeleitet wird.

Medikament gegen Ereiktonsprobleme durch Zufall entdeckt

Eigentlich suchte die Wissenschaft nach einer Behandlung von Herzbeschwerden, als sie in den 1990er-Jahren den Wirkstoff Sildenafil an Probanden testete. Der gewünschte Effekt blieb zwar aus, aber die Überraschung war gross, als die männlichen Probanden viel einfacher eine Erektion bekamen als jene Testgruppe, der kein Sildenafil verabreicht wurde. Daraufhin führte der Pharmahersteller Pfizer eine Studie mit Männern durch, die unter Potenzstörungen litten, und brachte 1998 das Präparat Viagra auf den Markt. Mittlerweile sind auch kostengünstigere Generika mit dem Wirkstoff Sildenafil erhältlich.

Alternative Behandlungsformen bei Potenzbeschwerden

Neben der Behandlung mit PDE-5-Hemmern gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, die bei Potenzbeschwerden helfen können. Zum Beispiel hat die Beckenbodenmuskulatur einen grossen Einfluss auf die Sexualität. Ist sie gut trainiert, hemmt sie den Rückfluss des Blutes aus den Schwellkörpern und trägt so zu einer länger anhaltenden Erektion bei.

Eine bewusste Ernährung, der Verzicht auf Tabak und ein kontrollierter Umgang mit Alkohol sind wichtige Eckpfeiler einer gesunden Lebensweise. Das erhöhte Energielevel wirkt sich auch positiv auf die Libido aus und beugt so einer ED vor, wenn sie nicht anatomisch bedingt ist. Auch die Naturheilkunde bietet eine Reihe von Wirkstoffen, die sich auf Libido und Potenz auswirken. Ginseng wird zum Beispiel schon seit Langem in der chinesischen Medizin zur Behandlung von Potenzstörungen eingesetzt und soll die Produktion von Sexualhormonen harmonisieren. Ebenso kann die Aminosäure L-Arginin bei leichten und mittleren Erektionsstörungen helfen. Ein Vorteil von individuell gemischten Spagyrik-Präparaten ist, dass die psychische Komponente einer ED gleich miteinbezogen werden kann.

Wenn die Blockade im Kopf ist, hilft der Austausch mit der Partnerin oder dem Partner. Denn für eine erfüllende Sexualität braucht es einen stress- und erwartungsfreien Raum. Fachpersonen können Betroffene bei diesen Gesprächen unterstützen.

Medikamente aus der Apotheke

Seit 2020 können Apothekerinnen und Apotheker orale Präparate zur Behandlung von Erektionsstörungen abgeben. Basis ist ein persönliches Gespräch von rund 15 Minuten mit Fragen zu medizinisch relevanten Informationen, die dokumentiert werden müssen. Es wird eine Beratungspauschale verrechnet.

Daniel Wechsler
Unsere Gespräch finden ungestört in einem separaten Beratungsraum statt.

Daniel Wechsler

Eidg. dipl. Apotheker und Betriebsleiter in Bern

Wie läuft eine Erstabklärung bei erektiler Dysfunktion in der Apotheke ab?

In einem gemeinsamen Gespräch gehe ich mit der betroffenen Person einen Fragebogen über ihren allgemeinen Gesundheitszustand und bereits eingenommenen Medikamenten durch. Sind Vorerkrankungen wie etwa eine Leberfunktionsstörung oder ein niedriger Blutdruck vorhanden, braucht es eine zusätzliche ärztliche Abklärung. Wenn eine Abgabe möglich ist, erläutere ich im Detail die korrekte Anwendung.

Wie versuchen Sie, den Betroffenen die Hemmung zu nehmen?

Bei einer telefonischen Anmeldung kann der Kunde beim Besuch einfach seinen Namen erwähnen, ohne dass er das Thema an der Kasse ansprechen muss. Das Gespräch findet ungestört in einem separaten Beratungsraum statt.

Was gilt es bei der Einnahme von Potenzmitteln zu beachten?

Die Einnahme von PDE-5-Hemmern wie Sildenafil sollte nur einmal täglich eine Stunde vor dem Geschlechtsverkehr erfolgen. Sie dürfen auf keinen Fall mit Nitraten kombiniert werden. Bei der gleichzeitigen Einnahme von Prostata-Medikamenten ist Vorsicht geboten, ebenso bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Was sind mögliche Nebenwirkungen von PDE-5-Hemmern?

Neben Kopfschmerzen zählen auch Hitzewallungen, allgemeines Unwohlsein, eine verstopfte Nase, Schwindel und Blutdruckabfälle oder auch ein beeinträchtigtes Sehvermögen zu den dokumentierten Nebenwirkungen. In seltenen Fällen kann es auch zu Dauererektionen kommen, die umgehend behandelt werden müssen.