Tollkirsche

Ratgeber / Naturheilkunde, Heilpflanzen

Tollkirsche: Mythische Wildpflanze

24.06.2022 / von 

Bei ihr ist Vorsicht geboten: Die Tollkirsche und ihre Früchte sind hochgiftig. Aber in Form von homöopathischer Zubereitung kann sie Krämpfe, Schmerzen und Entzündungen lindern.

Die Tollkirsche wächst bevorzugt in Mischwäldern auf humusreichen Böden und an halbschattigen Standorten. An dieser Pflanze ist alles ein wenig speziell. Normalerweise beenden Pflanzen das Längenwachstum, wenn sich am Hauptspross Blüten zeigen. Nicht so die Tollkirsche. Sobald eine Blüte an ihrem Hauptspross blüht, bilden sich drei Seitenäste aus, die weiter nach oben wachsen. Ihre Blüten, die dann an den Zweigen erscheinen, versteckt sie unter den Blättern, die Früchte in Kirschform hingegen streckt sie wie ein Schmuckstück der Betrachterin oder dem Betrachter entgegen. Eine grosse Kraft steckt in ihr. Aber Vorsicht, diese Kirschen sind giftig, wie alle anderen Pflanzenteile auch.

Ihren botanischen Namen Atropa belladonna verdankt sie ihrer starken Wirksamkeit. Atropos ist der Name einer der drei Schicksalsgöttinnen in der griechischen Mythologie: Klotho spinnt den Lebensfaden, Lachesis bemisst ihn und Atropos durchtrennt ihn. Das weist auf die Giftigkeit dieser Pflanze hin. Der Zusatz «belladonna» (schöne Frau) kommt daher, dass sich früher Frauen an besonderen Anlässen wie etwa Hochzeits- oder Geburtstagsfeiern den Saft
der Kirschen direkt in die Augen getröpfelt haben. Dies hat eine pupillenerweiternde Wirkung
und damals wurden grosse Pupillen als schön empfunden. Für das Augenlicht hatte diese Massnahme aber oft negative Folgen und sollte keinesfalls nachgeahmt werden.

Als spagyrische Essenz aufbereitet oder als Heilpflanze in der Homöopathie verliert die Tollkirsche ihre Giftigkeit. In dieser Form kommt sie bei hohem Fieber, Krämpfen, Schmerzen und Entzündungen erfolgreich zum Einsatz.