Ratgeber / Gesundheit

Leben mit Diabetes

24.09.2020 / von 

Diabetes ist eine chronische Stoffwechselkrankheit, die den Blutzucker betrifft. Vorbeugung und Therapie hängen dabei vom Krankheitstyp ab. Mit der richtigen Behandlung können bei Betroffenen schwere Folgen vermieden werden.

Die «Zuckerkrankheit», wie Diabetes im Volksmund heisst, ist weit verbreitet. In der Schweiz sind rund 500'000 Menschen betroffen, weltweit etwa 425 Millionen. Doch die Zahlen täuschen: Gerade beim Typ-2-Diabetes wissen rund die Hälfte aller Betroffenen gar nicht, dass sie krank sind. Der Grund liegt darin, dass die Krankheit nur schwache Symptome zeigt und es deshalb bis zu sieben Jahre dauern kann, bis sie diagnostiziert wird.

Wenn der Blutzucker aus der Bahn gerät

Von Diabetes spricht man, wenn der Körper den Blutzuckerspiegel nicht mehr richtig reguliert. Je nach Ursache unterscheidet man zwischen Typ 1 und Typ 2 der Krankheit (siehe Box). Typische Symptome sind häufiger Harndrang, ein ständiges Durstgefühl, Schwäche und Müdigkeit. Die Diagnose erfolgt mittels einer Blutzuckermessung und einer Untersuchung beim Arzt.

Leben mit Einschränkungen

Ein Leben mit Diabetes bringt Einschränkungen mit sich, denn die ständige Blutzuckerkontrolle kann belastend sein, weil sie besonders bei insulinpflichtigen Diabetikern stark in den Alltag eingreift. Auch für junge Menschen in der Pubertät kann der Ausbruch von Diabetes zur Herausforderung werden. Auf Reisen müssen sich Diabetiker ebenfalls sorgfältig vorbereiten. Insulin darf mit einem ärztlichen Attest mit an Bord eines Flugzeugs. Die Utensilien gehören ins Handgepäck und Betroffene sollten sich diesbezüglich vorab informieren.

Bei Diabetes ist auch der Fusspflege spezielle Beachtung zu schenken, denn der diabetische Fuss ist eine gefürchtete Folge des Diabetes. Wegen der Erkrankung können Durchblutungsstörungen und Nervenschädigungen auftreten, die sich am Ende der längsten Nerven – also am Fuss – zuerst äussern und die Schmerzwahrnehmung negativ beeinflussen. Eine Wunde am Fuss wird beispielsweise weniger bemerkt und heilt schlecht ab. Lesen Sie mehr dazu in unserem Interview auf der Seite nebenan.

Blutzucker-Schwankungen im Alltag

Der Blutzuckerspiegel von Diabetikern kann bei fiebrigen Erkrankungen, beim Sport oder während Freizeitaktivitäten stark variieren. Bei einer Überzuckerung ist die Rede von einer Hyperglykämie, bei einer Unterzuckerung spricht man von Hypoglykämie. Bei der Hyperglykämie liegt ein Insulinmangel vor, der den Blutzucker stark ansteigen lässt und in schweren Fällen bis zum Koma führen kann. Übermässiges Zuführen von Insulin oder intensive körperliche Bewegung können andererseits zu einer Hypoglykämie mit drohender Bewusstlosigkeit führen. Beide Zustände sind für Diabetiker gefährlich, insbesondere nach dem Konsum von Alkohol. Da kann sich eine Unterzuckerung auch Stunden später einstellen, beispielsweise nachts im Schlaf.

Diabetes vorbeugen mit Bewegung und bewusster Ernährung

Für den Typ-1-Diabetes, bei dem die Bauchspeicheldrüse kein Insulin produziert, gibt es keine vorbeugenden Massnahmen. Anders sieht es beim Typ 2 aus. Eine ausgewogene Ernährung in Verbindung mit ausreichend Bewegung ist die beste Prophylaxe – und auch die wichtigste Massnahme im Falle einer Erkrankung. Der Speiseplan darf durchaus abwechslungsreich gestaltet sein, mit Gemüse, Salaten, Nüssen und Früchten. Auch Milchprodukte, Fisch, mageres Fleisch oder Tofu, Quorn, Linsen, Bohnen und Vollkornprodukte sind empfehlenswert. Da Verbote ein starkes Verlangen auslösen, sollte Süsses nicht ganz gestrichen, aber reduziert werden. Sinnvoll ist es, wenn die Süssigkeit direkt nach einer Hauptmahlzeit gegessen wird statt isoliert zum Zvieri. So steigt der Blutzuckerspiegel sanfter an und schnellt nicht abrupt in die Höhe. Ein weiterer wichtiger Pfeiler in der Behandlung ist die Bewegung. Diabetes Schweiz rät zu 150 Minuten Sport pro Woche, verteilt auf Ausdauer- und leichtes Krafttraining.

Mit diesen Massnahmen können Betroffene ihren persönlichen Beitrag im Kampf gegen den hohen Blutzucker leisten. Im Idealfall kann damit bei einer Typ-2-Diabetes-Erkrankung sogar auf Medikamente verzichtet werden. Andernfalls kommen zuckersenkende Präparate und als letzte Massnahme Insulin zum Zug. Die Behandlung des Diabetes ist sehr wichtig, weil sie sowohl die Lebensqualität wie auch die Lebenserwartung erhöht. Eine unbehandelte Zuckerkrankheit schädigt die Nieren, Augen und Extremitäten. Zudem steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine Studie aus Schweden zeigt aber: Wenn die Zucker-, Nieren-, Blutfett- und Blutdruckwerte im Zielbereich liegen, können Diabetiker von der gleichen Lebenserwartung wie Menschen ohne Diabetes ausgehen.

Typ-1- und Typ-2-Diabetes?

Diabetes wird in zwei Hauptgruppen eingeteilt. Beim Typ 1 handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Dabei zerstört das Immunsystem jene Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die für die Produktion des blutzuckersenkenden Hormons Insulin zuständig sind. Menschen mit dem sogenannten Diabetes mellitus Typ 1 sind lebenslang auf die Gabe von Insulin angewiesen, sei es über Spritzen oder Insulinpumpen. Beim Typ 2 handelt es sich um eine teils erblich bedingte Störung der Insulinwirkung. Der Körper produziert zwar noch Insulin, jedoch nicht genügend, um Blutzucker in die Zellen bringen und dort in Energie umwandeln zu können. Zu den Risikofaktoren, die den Ausbruch begünstigen, gehören Übergewicht, eine falsche Ernährung und Bewegungsmangel. Während der Typ 1 meist im Kinder- oder Jugendalter auftritt, macht sich der Typ 2 erst im Erwachsenenalter bemerkbar.

Tinetta Bischoff
Haut- und Fusspflege ist sehr wichtig.

Tinetta Bischoff

Apothekerin

Wie können Diabetiker eine bessere Durchblutung erreichen?

Eine gute Durchblutung ist wichtig. Darum sollten Diabetiker keinesfalls rauchen. Die Durchblutung unterstützen können spagyrische Mischungen und Phytotherapie. Bei Diabetes-Typ-2-Patienten kann mit Chrom, Zimttabletten sowie Schüssler Salzen gearbeitet werden. Die Massage der Füsse und Fussbäder fördern die Zirkulation. Blutdruck und Cholesterin sollten ebenfalls unter Kontrolle sein.

Worauf müssen Diabetiker bei der Hautpflege achten?

Die Hautpflegeprodukte sind im Idealfall nicht zu fetthaltig. Zudem sollten sie unbedingt Inhaltstoffe wie Urea und Ceramide enthalten. Urea bindet Feuchtigkeit und Ceramide stärken die natürliche Schutzbarriere der Haut. Eine gut eingestellte Therapie ist entscheidend, damit der Wasserverlust minimiert wird, der durch erhöhte Blutzuckerwerte entsteht.

Haben Sie einen Tipp für die richtige Fusspflege bei Diabetes?

Die Füsse müssen jeden Tag gut angeschaut werden, um allfällige Verletzungen zu entdecken, die sonst aufgrund von Durchblutungsstörungen und Nervenschädigungen zu Problemen führen könnten. Ein Fussbad mit lauwarmem Wasser ist dafür ideal. Die Füsse nach dem Baden nur abtupfen und eincremen. Hier machen wir beispielsweise mit Kartoffelbalsam gute Erfahrungen.