Ratgeber / Gesundheit

Ist es Neurodermitis?

24.11.2020 / von 

Schon seit früher Kindheit immer wieder schrecklicher Juckreiz oder Rötungen der Haut? Da könnte es sich um die erblich bedingte Krankheit Neurodermitis handeln. Erfahren Sie mehr über die Ursachen der Hauterkrankung und worauf Betroffene achten sollten.

Neurodermitis, auch atopisches Ekzem genannt, verursacht vielfältige Symptome. Sie können sich je nach Alter und von Mensch zu Mensch ganz verschieden zeigen: einmal nur an bestimmten Hautstellen, einmal eher grossflächig. Immer gleich sind jedoch die folgenden Symp-tome: Die Haut spannt, fühlt sich rau an und wirkt schuppig. Juckreiz tritt vor allem abends und nachts auf und verleitet unweigerlich zum Kratzen. Meistens schafft das aber nur kurz Erleichterung und führt eher zu Verletzungen und Krusten. Oft gibt es drei Stadien: Erst zeigen sich Rötungen, Schwellungen, Bläschen, nässende Stellen und Krusten. In der zweiten Phase nach einigen Tagen wird die Haut trocken – sie spannt, juckt und schuppt. In der dritten Phase kann sich die oberste Hautschicht verdicken, Furchen, Risse, hellere und dunklere Hautstellen können zurückbleiben.

Die Auslöser für Neurodermitis sind vielfältig

Die Ursachen von Neurodermitis sind bis heute Gegenstand der Forschung. Dass jedoch die genetische Veranlagung und Umweltfaktoren einen Einfluss haben, darf als gesichert betrachtet werden. Auch das Klima, Nahrungsmittel, Stress und äussere Einflüsse wie Dusch- oder Waschmittel können einen Einfluss auf den Hautzustand haben. Die Auslöser sind bei den Betroffenen individuell unterschiedlich.

Um Faktoren zu erkennen, welche Neurodermitis-Schübe auslösen, kann das Führen eines Symptomtagebuchs helfen. Das Allergiezentrum Schweiz bietet auf seiner Website www.aha.ch
dazu ein kostenloses Infoblatt zum Download an. Auf diesem können Betroffene ihre Symptome aufzeichnen und auf einer Skala von 1 bis 5 bewerten. Ebenso können die angewendeten Medikamente, Hautpflege, Ernährung sowie Schlafqualität notiert werden. Das Tagebuch kann als wertvolle Unterstützung für das nächste Gespräch mit dem Arzt dienen, der darauf basierend eine Therapie abstimmen kann.

Einfluss auf viele Lebensbereiche

In der Schweiz sind ca. 20 Prozent der Kinder von einem atopischen Ekzem betroffen. Bei Erwachsenen sind es 4 bis 5 Prozent. Einerseits wird durch die Neurodermitis das Immunsystem geschwächt. Andererseits beeinträchtigt der dauernde starke Juckreiz den Schlaf. Konzentration und Leistungsfähigkeit sinken, gerade auch bei Kindern in der Schule. Vor allem in der Pubertät, wenn das Aussehen einen immer höheren Stellenwert einnimmt, können die Hautveränderungen zu einem Problem werden. Zudem leiden viele Jugendliche zusätzlich an unreiner Haut oder Akne. Auch bei Erwachsenen ist die Krankheit oft mit Scham verbunden. Zu wissen, dass Neurodermitis nicht ansteckend ist, hilft ihnen dabei nicht viel. Manche Betroffene ziehen sich immer mehr zurück oder werden gar depressiv.

Symptome können mit der Zeit abnehmen

Typisch für Neurodermitis ist, dass sie früh beginnt: Zwei von drei betroffenen Kindern bekommen die Ekzeme bereits im ersten Lebensjahr. Babys können schon ab dem dritten Lebensmonat an Neurodermitis leiden, mit Ekzemen an den Wangen und auf der Kopfhaut. Dort bilden sich harte, gelblich-braune Schuppen, die man oft auch als «Milchschorf» bezeichnet und die ein Anzeichen für Neurodermitis sein können. Im Krabbelalter wandert die Neurodermitis auf die Streckseiten von Armen und Beinen. Bei Kindern ab zwei Jahren sind meist Ellbogen, Handgelenke, Hände, Hals und Nacken betroffen. Sogar Ekzeme im Mundbereich, an Augenlidern, Füssen, Oberschenkeln und Po sind möglich. Die gute Nachricht: Stärke und Dauer der Symptome nehmen mit zunehmendem Alter ab. Bei den Erwachsenen sind sieben von zehn der ehemals Erkrankten frei von Beschwerden.

Neurodermitis ist nicht heilbar, aber gut behandelbar

Neurodermitis lässt sich nicht heilen. Eine Veranlagung dafür bleibt ein Leben lang bestehen. Mit geeigneten Pflegeprodukten, Medikamenten und guter, individueller Beratung lassen sich die Symptome aber sehr gut behandeln und stabilisieren bis hin zu längeren symptomfreien Phasen. Weil die Krankheit so viele Erscheinungsformen hat, braucht es dazu auch ebenso viele geeignete Therapie-Bausteine. Am besten erarbeiten Hautarzt und Apothekerin oder Apotheker gemeinsam mit den Betroffenen (bei Kindern mit den Eltern) ein persönliches Massnahmenprogramm. Dieses setzt sich zusammen aus einer Basistherapie mit optimalen Pflegeprodukten, welche die Haut schonend reinigen und ihr mehrmals täglich Feuchtigkeit und Fett zuführen, dem Meiden bekannter Auslöser sowie Medikamenten gegen Entzündung und Juckreiz.

Bewährte Tipps bei Neurodermitis

  • Schwitzen fördert den Juckreiz. Daher sich nachts nicht zu warm zudecken und tagsüber lockere, leichte Kleidung tragen.
  • Duschen und Baden mit wohltemperiertem, nicht zu heissem Wasser.
  • Die unterste Kleiderschicht mit den Nähten nach aussen tragen; das reizt die Haut weniger. Störende Etiketten wegschneiden.
  • Beim Waschen der Kleider auf Weichspüler verzichten. Dafür eine kleine Menge Essig verwenden.
  • Fingernägel immer kurz und eckenfrei feilen, damit die Haut bei allfälligem Kratzen nicht zu sehr in Mitleidenschaft gezogen wird. Kinder, aber auch Erwachsene können nachts leichte Handschuhe anziehen, um die Haut vor dem Kratzen zu schützen.
  • Entspannungstechniken wie Yoga, autogenes Training oder Achtsamkeitstraining können helfen, mit den psychischen Belastungen umzugehen.
Petra Nigg
Betroffene sollten negativen Stress reduzieren.

Petra Nigg

Apothekerin und Betriebsleiterin

Wie sollten Neurodermitis-Betroffene ihre Haut am besten pflegen?

Wichtig ist zweimal täglich oder auch öfter eine sorgfältige und regelmässige Basispflege mit Salben, Cremen und Lotionen, welche die ausgetrocknete Haut feucht und geschmeidig halten. Die Produkte sollten reizarm und frei von Duftstoffen sein. Die Auswahl ist gross. Es gibt sie auf Basis von Mandelöl, mit Glyzerin oder wertvollen pflanzlichen Ölen. Manche enthalten auch Harnstoff oder Milchsäure, was die Haut besonders geschmeidig macht. Natürliche Inhaltsstoffe wie Ballonrebenkraut und Hamamelis beruhigen die Haut zusätzlich. Starker Juckreiz kann mit lokalanästhetischen Zusätzen oder kühlendem Menthol gemildert werden.

Worauf sollte man beim Baden, Duschen, Reinigen besonders achten?

Man sollte keine Überhygiene betreiben. Oft genügt auch schon eine Dusche mit reinem Wasser. Ansonsten möglichst milde und rückfettende Seifen oder Duschmittel verwenden. Nur kurz und nicht zu heiss duschen oder baden, denn insbesondere das Baden trocknet die Haut auch aus.

Wie können sich Betroffene sonst noch Erleichterung verschaffen?

Mit einer kühlen Umgebung, denn Wärme verschlimmert häufig den Juckreiz. Diesen können feuchte, kühlende Umschläge nachts oder ein Coldpack tagsüber lindern. Betroffene sollten negativen Stress wenn möglich reduzieren sowie Alkohol und stark gewürzte, scharfe Speisen vermeiden.

Kann man die Haut auch von innen unterstützen?

Ja. Besonders gut mit ungesättigten Fettsäuren beispielsweise in Form von Nachtkerzenöl-Kapseln, aber auch mit Schüssler Salzen, mit Vitamin D, Zink und Vitamin C. Kurz, mit allem, was das Immunsystem reguliert und stärkt. Dazu gehört auch eine gesunde Darmflora. Sie lässt sich mit Probiotika wirksam aufbauen und unterstützen.

Wichtig ist auch gute fachliche Unterstützung und Beratung. Neurodermitis-Betroffene sollten von einer Dermatologin oder einem Dermatologen begleitet werden und von der kompetenten, individuellen Beratung einer Apothekerin oder eines Apothekers profitieren.