Ratgeber / Gesundheit

Erholung: Mehr als Nichtstun

24.07.2020 / von 

Die Ferien sind da! Endlich Zeit, sich vom stressigen Alltag zu lösen und Erholung zu suchen. Doch Faulenzen ist nicht für alle der beste Weg, um neue Kräfte zu sammeln. Manche brauchen einen Kick, um die Batterien aufzuladen.

Wann haben Sie sich das letzte Mal so richtig erholt gefühlt? Falls Sie lange darüber nachdenken müssen, sind Sie nicht alleine. In einer Umfrage von 2018 hat jede vierte erwerbstätige Person angegeben, dass sie unter Stress leidet. Der Anteil jener, die sich emotional erschöpft fühlten, lag sogar bei 30 Prozent. Dabei gab es praktisch keine Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Jüngere hatten jedoch tendenziell mehr Schwierigkeiten, einen Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit zu finden.

Doch was ist eigentlich Erholung? Im Prinzip geht es um die Wiederherstellung der körperlichen, seelischen und geistigen Kräfte. Der Mensch verfügt über eine begrenzte Menge an Energie. Wenn diese verbraucht ist, muss er quasi wieder die «Batterien aufladen». Die gängigste Form der Erholung sind Pausen. Nach 60 bis 90 Minuten anspruchsvoller Arbeit sollte eine 5-minütige Pause eingelegt werden. Sie ermöglicht es, konzentriert weiterzumachen. Je nach Beruf sind diese Pausen auch gesetzlich vorgegeben.

Zu den längeren Erholungsphasen gehören die Ferien. Dabei ist wichtig zu wissen: Jeder Mensch erholt sich anders. Was für den einen eine Kräfte zehrende Anstrengung ist, ist für den anderen die beste Art, Körper und Geist wieder vollständig zu regenerieren.

Aktive oder passive Erholung?

Sogar eine echte Herausforderung kann erholsam sein. Wer sich auf eine schwierige Bergtour begibt, einen Sprachkurs besteht, eine neue Sportart oder ein Instrument erlernt, bekommt durch den Erfolg ein Gefühl von Zufriedenheit und Glück – «ich habe es geschafft!». Das steigert das Selbstvertrauen und gibt neuen Schwung für den Alltag. Die Hauptsache ist jedoch, dass die gewählte Tätigkeit Freude bereitet.

Neue Eindrücke, zum Beispiel auf einer Städtereise oder einer Tour durch eine unbekannte Landschaft, können auch zu einer guten Erholung beitragen. Der klassische «Tapetenwechsel» entführt einen aus dem Alltag und gibt einem die Möglichkeit, das Leben aus einer anderen Perspektive zu sehen. Doch Vorsicht: Wer einen Beruf hat, der von grosser Hektik geprägt ist, sollte für seine Erholung nicht unbedingt einen Ort auswählen, an dem die Post abgeht. Wirksamer gegen die Reizüberflutung ist in diesem Fall eine ruhigere Umgebung. Eine Woche in den Bergen, am Strand oder Spaziergänge im Wald ermöglichen es, der Informationsflut erfolgreich zu entfliehen.

Gesünder, leistungsfähiger und glücklicher

Richtige Erholung vermittelt nicht nur ein Gefühl von Entspannung, sie ist auch physisch messbar. Puls und Atmung werden ruhiger, und die Stresshormone im Blut sind nur noch reduziert vorhanden. Der Geist ist wach, die Stimmung hell und kaum etwas bringt einen aus der Ruhe. Wer sich richtig gut erholen kann, steigert seine körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. Ambitionierte und professionelle Sportler wissen schon längst, dass die entscheidenden Prozesse in der Regeneration geschehen, also in der Phase nach dem eigentlichen Training. Nachdem man sich körperlich verausgabt hat, sollte man sich nicht nur Ruhe gönnen, sondern dem Organismus auch die verlorenen Nährstoffe und vor allem Flüssigkeit zurückgeben.

Um die Muskulatur leistungsfähig zu halten und Verletzungen zu vermeiden, sind Massagen gut geeignet. Sie tragen auch zur mentalen Entspannung bei. Massagen in Kombination mit Wellness – zum Beispiel mit Bädern oder Aromatherapie – wirken harmonisierend auf Körper und Geist.

Vorübergehende Stressphasen sind normal und gut verkraftbar. Gefährlich wird es, wenn der Körper einem Dauerstress ausgesetzt ist. Die mangelnde Erholung schwächt das Immunsystem, und die Anfälligkeit für Krankheiten steigt. Deshalb ist ein Ausgleich zum Alltag nicht nur für das subjektive Wohlbefinden, sondern auch für die Gesundheit zentral.

Die Basis von allem: der Schlaf

Ferien und Pausen sind wichtige Instrumente, um körperlich sowie geistig herunterzufahren. Entscheidend ist aber, was in der Nacht geschieht: Guter Schlaf ist die wichtigste Voraussetzung dafür, dass sich der Körper regenerieren kann. Er ist lebenswichtig und trägt dazu bei, dass alle Körperfunktionen tagsüber normal funktionieren. Nur wenn wir gut erholt sind, kann das Hirn seine volle Leistung bringen. Wir sind konzentriert, entschlussfreudig, reagieren schnell und sind gut gelaunt.

Bereits die Vorbereitung ist entscheidend für einen guten Schlaf. Wer regelmässig zur gleichen Zeit aufsteht und zu Bett geht, kann schneller einschlafen und kommt so auf mehr Stunden Erholung. Eine klare Trennung – räumlich wie zeitlich – zwischen Arbeit und Freizeit hilft, den Körper in den Entspannungsmodus zu versetzen. Autogenes Training, eine Meditation am Abend oder beruhigende Musik sorgen dafür, dass Geist und Körper langsam zur Ruhe finden.

Eine Kombination aus genügend Schlaf, ausreichend Pausen und aktiver Erholung in den Ferien und der Freizeit tragen dazu bei, dass man sich frisch und leistungsfähig fühlt – und schliesslich weiterkommt als alle, die im Leistungsstress versinken.

Fünf Möglichkeiten, Entspannung zu finden

Kultur: Wer gerne Musik hört, ins Theater geht, ein gutes Buch liest oder sich Filme anschaut, findet dabei gleichzeitig Ruhe und Inspiration.

Aktivität: Manch einer wird ganz hibbelig, wenn er auf dem Sofa liegt. Basteln, werken, Gartenarbeit, malen, musizieren oder kochen können gute Wege sein, um besonders aktiven Menschen eine Form der Entspannung zu bieten.

Sport: Wer sich gerne verausgabt, findet beim Joggen, Klettern oder Krafttraining am besten zu seiner Energie zurück. Auch ein Spaziergang oder leichte Bewegung im Alltag – zum Beispiel die Treppe nehmen anstatt den Lift – wirken sich positiv auf das Wohlbefinden aus.

Gesellschaft: Ein soziales Engagement, Singen im Chor oder spielerische Aktivitäten lenken ab vom grauen Alltag und sorgen für einen interessanten Austausch mit anderen.

Wellness: Der Klassiker für alle, die sich gerne verwöhnen lassen. Kerzen, Duftlampen, ein ausgiebiges Bad oder ein Spa-Besuch sind Balsam für die Seele. Oder ganz einfach: ein Spaziergang barfuss auf Naturböden.

Maja Storch
Wir nehmen uns zuwenig Zeit für Erholung.

Maja Storch

Psychologin und Mitautorin von «Die Mañana-Kompetenz»Entspannung ist indivi- duell.

Was ist der wichtigste Schlüssel zur Entspannung?

Entspannen kann man, wenn der Parasympathikus aktiviert ist, das ist der «Erholungsnerv» des autonomen Nervensystems. Man muss wissen, wie das am besten funktioniert.

Können Sie ganz kurz erklären, wie das funktioniert?

Der Parasympathikus verlangsamt den Herzschlag, macht die Pupillen klein und den Atem flach, genau wie es dem Steinzeitmenschen erging, wenn er sich in der Höhle am Lagerfeuer ausruhte. Dieses Prinzip benutzt der Körper auch noch heute.

Jeder erholt sich anders. Trifft dies zu oder gibt es Methoden, die für alle gleich gut funktionieren?

Nein, es gibt keine Methode, die bei allen Menschen immer gleich gut funktioniert. Entspannung ist indivi-
duell. Der eine backt Zimtschnecken, die andere pflegt ihre Rosen oder zupft Petunien aus, ein dritter macht Yoga, eine vierte betet den Rosenkranz. Man geht angeln oder zu den Bienen oder schraubt am Motorrad rum. Jedem Tierchen sein Plaisierchen!

Finden Sie denn ganz allgemein, dass wir uns zu wenig Zeit nehmen für Erholung?

Auf jeden Fall. Es ist immer nur die Rede von schneller, höher, weiter, von Selbstoptimierung und Leistung. Dabei sind wir körperlich gar nicht auf Dauereinsatz angelegt.

Wie erholen Sie sich persönlich?

Ich bin Organistin, und meine absolute Tankstelle ist die Orgel. Dann schlafe ich gerne, lang und ausgiebig. Hundespaziergänge mit dem Mann sind prima und die schon erwähnten Zimtschnecken.