Pharma-Assistent

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Fachfrau/Fachmann Apotheke: Ein Beruf fürs Leben

Fast die Hälfte des Fachpersonals in Schweizer Apotheken sind Pharma-Assistentinnen und -Assistenten. Wer sich für dieses vielfältige Berufsbild entscheidet, sollte kommunikativ, teamfähig und einfühlsam sein.

Pharma-Assistentinnen und -Assistenten wissen eigentlich nie, wer ihren Rat suchen wird und welcher Herausforderung sie sich als Nächstes widmen dürfen. Ist es die Unternehmerin, die ein starkes Medikament gegen Spannungskopfschmerzen benötigt? Der Hobbysportler auf Krücken mit dem Spitalaustrittsrezept nach einer Operation? Der einsame Witwer, der nach dem Blutdruckmessen noch etwas plaudern möchte? Oder die junge Mutter, deren Kind unter Bauchkrämpfen leidet? «Eine Pharma-Assistentin ist in der Lage, auf viele unterschiedliche Bedürfnisse empathisch und fachkundig einzugehen», erklärt Jsabelle Hirschi, die als Spezialistin Personalentwicklung Kurse für Berufsbildnerinnen leitet. Für die Kundschaft sind Pharma-Assistentinnen und -Assistenten die erste Anlaufstelle in Apotheken. Sie verfügen über ein breites Wissen zu den häufigsten Krankheitsbildern, frei verkäuflichen und verschreibungspflichtigen Medikamenten, Ernährung oder Pflegeprodukten sowie Naturheilmitteln. Dieses setzen sie gezielt ein und können einschätzen, wann eine Apothekerin oder ein Apotheker in die Beratung miteinzubeziehen ist, so etwa bei Bezügen auf Rezept.

Abwechslungsreiches Tätigkeitsfeld

Im Arbeitsalltag tragen Pharma-Assistentinnen und -Assistenten massgeblich zum reibungslosen Ablauf in der Apotheke bei. Neben dem Bedienen und Beraten nehmen sie zahlreiche administrative Aufgaben wahr und halten teils mehrere Zügel gleichzeitig in der Hand. Um die Aufgabe als medizinische Grundversorgerin erfüllen zu können, führt eine öffentliche Apotheke im Durchschnitt 8'000 Artikel in ihrem Sortiment und kann innerhalb kürzester Zeit mehrere tausend zusätzliche Produkte bestellen. Viele Betriebe haben mehrere Produktelieferungen täglich, das Bestellen und Einbuchen liegt meist in der Obhut der Pharma-Assistentinnen und -Assistenten. Darüber hinaus sind sie auch für das Bewirtschaften der Kosmetikprodukte oder für das parapharmazeutische Sortiment zuständig, wie beispielsweise Kompressionsstrümpfe, Sanitätsartikel, Milchpumpen oder Nahrungsergänzungsmittel. Ebenso kümmern sie sich um eine reibungslose Zusammenarbeit mit den verschiedenen Krankenkassen und Unfallversicherern – denn die Bezüge auf Rezept und die damit verbundene Kostenabrechnung sind ein wichtiger Teil innerhalb des Apothekenalltags. Pharma-Assistenten sind auch im Labor anzutreffen, wo sie individuelle Hausspezialitäten, Rezepturen, Salben, Verdünnungen oder Teemischungen herstellen. Sie bearbeiten und koordinieren auch Medikamentenbestellungen von Alters- und Pflegeheimen und organisieren den Hauslieferdienst.

Umfassende Ausbildung

Die breitgefächerten Tätigkeiten von Pharma-Assistenten spiegeln sich auch in der dreijährigen Ausbildung wider. An den Schweizer Berufsfachschulen wird ihnen eine grosse Palette an Fächern geboten: Neben naturwissenschaftlichen Grundlagen, Arzneimittelkunde, Krankheitsbildern und Therapieformen stehen auch Verkaufsförderung, Kundenbetreuung, administrative Arbeiten, Wirtschaft und Recht sowie Deutsch und Fremdsprachen auf dem Stundenplan. Ergänzend dazu finden überbetriebliche Kurse statt. Bei guten schulischen Leistungen können die Lernenden zusätzlich Freifächer an der Berufsschule besuchen und die Berufsmaturität abschliessen. Laut dem Bundesamt für Statistik werden jährlich 2'500 Lernende in der Schweiz zu Pharma-Assistentinnen oder Pharma-Assistenten ausgebildet. Während 2010 noch 63 davon männlich waren, haben zehn Jahre später bereits 168 junge Männer diesen Berufsweg eingeschlagen.

Ausbildung im Wandel

Während Apothekerinnen und Apotheker früher einen Grossteil der Medikamente selber hergestellt haben, sind Apotheken heute moderne Gesundheitszentren mit einem breiten Dienstleistungsangebot. Entsprechend hat sich auch der Beruf der Pharma-Assistentin stetig gewandelt. Die nächste grössere Reform steht 2022 bevor: Ab diesem Ausbildungsjahr werden die Handlungskompetenzen auf den diagnostischen Bereich ausgeweitet, mit dem Ziel, die Apothekerinnen und Apotheker in ihren Aufgabenbereichen und Möglichkeiten noch besser zu unterstützen. Die Ausbildung dauert nach wie vor drei Jahre und heisst dann Fachfrau oder Fachmann Apotheke EFZ.

Voraussetzung für die Ausbildung

Im ersten Lehrjahr besuchen die Lernenden an zwei Tagen pro Woche die Berufsfachschule, im zweiten und dritten Lehrjahr an je einem Tag. Am Ende der Lehrzeit legen sie sowohl mündliche als auch schriftliche Tests ab. Zusätzlich findet in der Lehrapotheke eine praktische Prüfung statt, die sich in drei Teile gliedert: Kundenbetreuung, Betriebsorganisation und pharmazeutischtechnische Arbeit im Labor. Wer dieses Qualifikationsverfahren erfolgreich durchläuft, erhält den Abschluss als Pharma-Assistentin oder Pharma-Assistent mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis EFZ.

Die Ausbildung richtet sich an Jugendliche ab 16 Jahren aus der Sekundar- oder Realstufe mit sehr guten Leistungen, wobei Abgängern von Realschulen zusätzlich der Besuch eines zehnten Schuljahrs empfohlen wird. Jsabelle Hirschi: «Die wichtigsten persönlichen Voraussetzungen sind Freude am Kundenkontakt, Wissensdurst, Verantwortungsbewusstsein, Zuverlässigkeit sowie die Bereitschaft, empathisch, freundlich und hilfsbereit auf unterschiedliche Menschen zuzugehen und sich mit ihren Fragen und Bedürfnissen auseinanderzusetzen.»

Weiterbildung und Wiedereinstieg

Pharma-Assistentinnen und -Assistenten können ihr Wissen in unterschiedlichen Themengebieten laufend vertiefen und auffrischen. So können sie sich unter anderem zum zertifizierten Pharmaberater, zur Pharma-Spezialistin mit eidg. Fachausweis, zum Drogisten HF oder zur Pharma-Betriebsassistentin mit eidg. Fachausweis weiterbilden. Aufgrund ihrer Erfahrung und hohen Sozialkompetenz haben sie auch nach einer längeren Pause im Berufsleben gute Chancen, wieder in einer Apotheke Fuss zu fassen.

Marija Djokic
Bei meinen Beratungen möchte ich für jedes Anliegen eine Lösung finden.

Marija Djokic

Pharma-Assistentin in Füllinsdorf

«In der Apotheke ist jeder Tag anders – ich weiss am Morgen nie, was mich im Lauf des Tages erwartet. Unser Betrieb ist sowohl Drogerie als auch Apotheke in einem und entsprechend vielfältig sind die Ansprüche und Bedürfnisse unserer Kundschaft. Ich arbeite in einem gut eingespielten Team, in dem sich jeder auf den anderen verlassen kann. Für diese gute Zusammenarbeit bin ich enorm dankbar, weil sie den Berufsalltag sehr erleichtert und angenehm gestaltet. Als Pharma-Assistentin sehe ich mich als rechte Hand der Apothekerin oder des Apothekers, dabei beinhalten meine Aufgaben all das, was ich schon immer machen wollte: Bereits als Kind interessierte ich mich für die menschliche Anatomie sowie Naturwissenschaften und war auch administrativen Aufgaben gegenüber nicht abgeneigt. Dass ich heute auf Basis dieser Kombination anderen Menschen persönlich und unkompliziert helfen kann, ist für mich ein sehr befriedigendes Gefühl.

In der Apotheke erhalte ich einen zum Teil sehr persönlichen Einblick in das Leben der Kundinnen und Kunden, deshalb ist es mir wichtig, dass ich mich mit meiner Aufgabe voll identifizieren kann. Bei der Beratung möchte ich für jedes Anliegen eine Lösung finden. Damit das gelingt, nehme ich mir gerne Zeit für die Bedürfnisse meiner Kundschaft – dazu braucht es Vertrauen von ihrer und Einfühlungsvermögen von meiner Seite. Darüber hinaus prägt mich mein Beruf auch auf einer persönlichen Ebene: Ich bin stets offen für Neues, eigenständig und weiss mir zu helfen.»