Entschlackung

Ratgeber / Gesundheit

Rund um die Entschlackung

25.03.2024 / von 

Während in der Natur der Frühling die Zeit des Erwachens ist, bekunden wir Menschen oftmals Mühe, nach dem Winter wieder Tritt zu fassen. Wir verraten Ihnen, wie sich die Frühjahrsmüdigkeit vertreiben lässt – und welche Behauptungen zum Thema Entschlacken nur bedingt zutreffen.

Vielleicht kennen Sie das: Die Sonne scheint, die Gärten blühen, die Vögel zwitschern – und trotzdem fühlen Sie sich müde, antriebslos und gereizt. Besonders im März und April leiden viele unter Frühlingsmüdigkeit. Ein Grund: Neben dem Klima verändert sich in dieser Zeit auch der Hormonspiegel. Glücklicherweise muss man die Frühlingsmüdigkeit nicht einfach so hinnehmen. Wer sich gesund ernährt (viel Gemüse und Früchte) und sich regelmässig bewegt, leistet bereits wertvolle Präventionsarbeit. Wer noch mehr tun möchte, kann seinen Körper entgiften und damit aktiv etwas gegen die Schlappheit unternehmen. Entschlackungskuren können dazu beitragen, den Körper von belastenden Stoffwechselprodukten zu reinigen – und ihn gleichzeitig zu revitalisieren und zu stärken.

Aber wie funktioniert das genau mit dem Frühjahrsputz für den eigenen Körper? Tipps und Tricks gibt es zahlreiche. Doch welche helfen weiter – und welche sind nur heisse Luft? Wir haben die fünf gängigsten Behauptungen rund um die Frühjahrsmüdigkeit und das Entschlacken genauer unter die Lupe genommen.

Adrian Schumacher
Eine Gewichtsabnahme sollte nicht das primäre Ziel einer Entschlackungskur sein.

Adrian Schumacher

Eidg. dipl. Drogist

Behauptung 1

Da der Körper viele Giftstoffe enthält, sind regelmässige Entschlackungskuren sinnvoll.

Es stimmt, dass der Körper täglich mit Stoffen konfrontiert ist, die er nicht benötigt oder die ihn belasten können. Mit Leber und Niere verfügt er über spezialisierte Verstoffwechslungs- und Ausscheidungsorgane. «Der Körper kann mit unnötigen Schlackenstoffen also durchaus umgehen», erklärt Adrian Schumacher, eidg. dipl. Drogist und Co-Betriebsleiter in Meiringen. Eine Entschlackungskur kann jedoch unterstützend wirken. «Während sich zum Beispiel mit Mariendistel die Leistung der Leberzellen unterstützen lässt, regen bestimmte Tees den Stoffwechsel an.» Der Experte empfiehlt zwei Entschlackungskuren pro Jahr. «Eine im Frühling, weil wir im Winter in der Tendenz fettiger, schwerer und süsser essen. Und eine zweite im Herbst, um auf ebendiese Essgewohnheiten im Winter besser vorbereitet zu sein.»

Behauptung 2

Entschlackungskuren helfen beim Abnehmen.

Das stimmt nur bedingt. «Zunächst muss man wissen, weshalb man übergewichtig ist», sagt Adrian Schumacher. Übergewicht kann zum Beispiel auf mangelnde Bewegung, falsche Ernährung oder eine Stoffwechselstörung zurückzuführen sein. Der eidg. dipl. Drogist betont, dass nur eine grundsätzliche Umstellung der Ernährung in Kombination mit Sport dauerhaft zu einem tieferen Gewicht führt. «Eine Entschlackung kann diesen Prozess unterstützen, ihn jedoch nicht ersetzen.» Eine leichte Gewichtsabnahme sei nach einigen Tagen der Entschlackung zwar durchaus möglich, sollte jedoch nicht ihr primäres Ziel sein. Adrian Schumacher ergänzt: «Wo man aber deutliche Resultate feststellen kann, ist im eigenen Wohlbefinden. Schon nach wenigen Tagen fühlen sich die meisten Personen physisch und psychisch fitter und entsprechend leistungsfähiger.»

Behauptung 3

Je mehr ich schlafe, desto weniger müde bin ich.

Das stimmt so definitiv nicht. «Die Anzahl Schlafstunden ist nicht entscheidend. Viel wichtiger ist es, einen gesunden Schlaf-wach-Rhythmus zu finden – und diesen auch beizubehalten», betont der Drogist. Er empfiehlt, möglichst immer zur gleichen Zeit schlafen zu gehen. «Nur so lässt sich ein wirklich regenerierender Schlaf finden.» Wie viele Stunden Schlaf jemand braucht, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. «Einigen wenigen reichen bereits vier Stunden, im Durchschnitt sind es jedoch sieben bis neun Stunden. Wer sich häufig müde fühlt, sollte aber vor allem auch auf Bewegung setzen. «Die Bewegung fördert die Durchblutung und beliefert die Organe mit Sauerstoff», erklärt Adrian Schumacher. «Zudem werden so auch die Zellen stärker mit Sauerstoff versorgt, wodurch sie sich besser und schneller regenerieren.»

Behauptung 4

Die Zeitumstellung bringt den Biorhythmus durcheinander.

Tatsächlich ist die Zeitumstellung – aber auch der Frühling an sich – eine Herausforderung für Körper und Geist. «Es ist durchaus vergleichbar mit einem kleinen Jetlag», erklärt Adrian Schumacher. Auch hier sei ein regelmässiger Schlaf-wach-Rhythmus zentral. Einfach nur am Abend aufgrund der Zeitumstellung etwas früher ins Bett zu gehen, hilft wenig. Stattdessen lohnt es sich, in den darauffolgenden Tagen stets zur gleichen Zeit schlafen zu gehen. Eine gewisse Frühjahrsmüdigkeit ist dennoch fast unumgänglich: «Wir müssen das viele Melatonin abbauen, das wir in den dunklen Wintermonaten produziert haben», sagt der Experte. «Gleichzeitig beginnt der Körper mit zunehmendem Sonnenlicht, mehr Serotonin zu produzieren. In der Phase dieses Wechsels fühlen wir uns öfter müde.»

Behauptung 5

Je mehr Licht ich tagsüber tanke, desto besser der Schlaf.

Sonnenlicht trägt sehr viel zu unserem Wohlbefinden bei, denn die erhöhte Serotoninproduktion wirkt stimmungsaufhellend und füllt die Energiespeicher. «Ein wichtiger Helfer des Serotonins ist das Vitamin D», weiss Adrian Schumacher. «Gerade im Winter erfahren viele Menschen einen Vitamin-D-Mangel, was unter anderem zu verstärkter Müdigkeit führen kann.» Je besser der Serotoninspiegel des Körpers eingepegelt ist, desto erholsamer sei der Schlaf. «Wichtig ist auch, was wir tagsüber machen», fügt der Drogist hinzu. «Nach einem stressigen Moment oder Tag muss die Leber Stresshormone wie Adrenalin oder Kortison zunächst abbauen.» Das dauere seine Zeit, man kann also nicht einfach auf Knopfdruck abschalten und entspannen.

Entschlackungskur: So gehts

Eine Entschlackungskur sollte über einen Zeitraum von zwei bis vier Wochen durchgeführt werden. In dieser Zeit soll die Ernährung ausgewogen gestaltet werden, vor allem mit viel Gemüse und frischen Früchten und ausreichend Flüssigkeit in Form von Wasser und ungesüssten Tees. Auf Substanzen wie Alkohol, Koffein und Nikotin sollte möglichst verzichtet werden. Denn all diese Stoffe beanspruchen jene Organe, die mittels einer Entschlackung entlastet werden sollen. Auch regelmässige Bewegung sollte fester Bestandteil einer Entschlackungskur sein, weil die Durchblutung und die Sauerstoffversorgung dadurch angekurbelt werden.

In der Drogerie und Apotheke gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, um die Kur zu begleiten: von Tees über spagyrische Essenzen bis hin zu Schüssler Salzen. Lassen Sie sich dazu von den Fachpersonen beraten.

Bitterstoffe

Ein Schlüssel für eine erfolgreiche Entschlackungskur sind Bitterstoffe. Diese unterstützen die Funktion der Leber. Zu nennen sind beispielsweise Kräuteressenzen oder Tees aus Wermuth, Tausendgüldenkraut, Enzian oder Mariendistel. Aber auch «bittere» Nahrungsmittel wie Artischocken, Radicchio oder Aubergine sind sehr zu empfehlen. Ergänzend haben auch Omega-3-Fettsäuren eine positive Wirkung auf die Entschlackung. Diese wirken unter anderem entzündungshemmend und gefässschützend. Früchte und Beeren, etwa Heidelbeeren, führen dem Körper zellschützende Antioxidantien zu. Wichtig ist es zudem, Ballaststoffe zu sich zu nehmen, weil sie gewisse toxische Stoffe binden und die Darmtätigkeit unterstützen können.